Kundgebung & Mahnwache 26.07.2026

Liebe Mitstreiter:innen,

dass wir so kurz nach dem großartigen CSD-Debüt schon wieder in Oberhausen zusammen kommen, ist gut und richtig! Es zeigt, dass der CSD Strukturen geschaffen hat, die auch kurzfristig handlungsfähig sind – und das ist in diesen Zeiten offensichtlich verdammt wichtig. Die Ereignisse des gestrigen Tages hinterlassen uns sprachlos und doch gibt es so viel, das gesagt werden muss.

Gestern Abend wurde der CSD in Berlin Ziel eines Terrorangriffs. Mindestens eine Person wurde ermordet, 29 teilweise lebensbedrohlich schwer verletzt. Die Tatwaffen? Ein weißer Transporter sowie mutmaßlich mindestens ein Messer. Die Ziele? Queere Menschen. Wir alle. Wir reden hier nicht einfach von einem tragischen Unfall, bei dem mindestens ein unendlich wertvolles Leben beendet wurde: Wir reden hier von einem faschistischen Terrorakt der uns nicht nur alle betroffen hat, sondern direkt treffen sollte. Nicht nur hätte es auch uns treffen können – zum Beispiel während der Demonstration vor zwei Wochen, als wir feiernd über die Marktstraße gezogen sind und die Seitenstraßen frei befahrbar waren. Der Anschlag hat auch uns gemeint – jede:n von uns.

Die verletzten und getöteten Personen sind keine zufälligen Opfer, sie waren explizite Ziele. Ihre Leben wurden zerrissen, weil sie queer sind bzw. so wahrgenommen wurden und es gewagt haben, das offen zu zeigen. Deswegen ist es an uns, die Betroffenen und ihren Mut in den Mittelpunkt des Diskurses zu stellen. Dazu gehört auch, dass das Motiv klar benannt werden muss.

Auch wenn vieles zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar ist, zumindest die Identität des Haupttäters Abdul B. scheint geklärt. Bei dem 21-Jährigen deutschen Staatsbürger handelt es sich den Berichten zufolge um einen Anhänger des sog. Islamischen Staates, jener faschistischen Terrorbande, die in den letzten 12 Jahren nicht nur für den Genozid und die Menschenrechtsverbrechen an den Jesid:innen verantwortlich ist und mit ihrem Terror die größten Fluchtbewegungen der letzten Zeit ausgelöst hat, sondern eben diesen Terror weltweit gegen diejenigen einsetzt, deren Lebensstil ihrem äußerst beschränkten Gesellschaftsverständnis widerspricht. Sagen wir es also klar und deutlich! Eine Faschismusanalyse, die sich lediglich auf völkisch-nationalistische Minderwertigkeitsideologien beruft, und religiös motivierten Faschismus ausblendet, ist kein Insta-Reel wert.

In unserer ersten Wortmeldung als CSD Oberhausen ging es darum, warum in Oberhausen ZEIT FÜR PRIDE ist. Dabei haben wir klar gesagt: Queer sein heißt antifaschistisch sein. Als Antifaschist:innen dürfen wir weder islamistischen Terror mit Verweis auf herkunftsdeutschen Rechtsterrorismus verharmlosen, noch dem unseligen Geraune der Rechten und ihren Abschiebeforderungen applaudieren. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Ideologie von Abdul B. für viele Menschen mit Fluchterfahrung zu den zentralen Ursachen zählt, vor denen sie in Deutschland und Europa Sicherheit suchen. Auch religiös motivierter Faschismus ist Faschismus. Und gute Vorschläge, wie Faschismus zu bekämpfen ist, gibt es ja ganz aktuell etwa von Igor Levit und Danger Dan!

Es ist ein Hohn, dass nun ausgerechnet die AfD und andere Rechte, bis weit in konservative Kreise hinein, versuchen, sich als Schutzmacht queeren Lebens zu inszenieren. In den vergangenen zwei Jahren kam es regelmäßig zu Demonstrationen, Angriffen und Einschüchterungen gegen CSD-Paraden in ganz Deutschland, zumeist aus dem Spektrum sehr junger Neonazis, aber auch von einem AfD-Landrat, der in Sonneberg versuchte, den CSD auf dem Verwaltungsweg zu verhindern. Parallel zum CSD in Oberhausen fand vor zwei Wochen auch in Wesel erstmals ein CSD statt, begleitet von einer Gegenkundgebung der rechtsextremen Splitterpartei „Die Heimat“, ehemals NPD.

Die Ereignisse des gestrigen Abends machen uns nicht nur traurig, sie machen uns auch ganz schön wütend! Wir trauern mit den Freund*innen und Familien der ermordeten. Wir sind solidarisch mit den Verwundeten, den Traumatisierten und Betroffenen des gestrigen Anschlages.

Und doch stellen wir sehr deutlich klar: wir lassen uns von faschistischem Terror nicht einschüchtern

KEINE ANGST!

ALERTA!